Dienstag, 04. August 2026

20 Jahre Grabfeld der Herzenskinder in Ludwigshafen

Die Ruhestätte für totgeborene Kinder entstand 2006 aus einer Bürgerinitiative

Pressemeldung

Zwanzig Jahre Grabfeld der Herzenskinder in Ludwigshafen
Ruhestätte für totgeborene Kinder entstand 2006 aus einer Bürgerinitiative

Auf dem Ludwigshafener Hauptfriedhof liegt seit 2006 das Grabfeld der Herzenskinder, eine gemeinsame Ruhestätte für totgeborene Kinder, die keine eigene Beerdigung erhalten. In diesem Jahr besteht die Anlage zwanzig Jahre. Aus der Initiative einer Stadträtin ist ein fester Bestandteil der Trauerkultur in der Region geworden.

Bis Anfang der 2000er Jahre entsorgten Kliniken in der Metropolregion Rhein-Neckar totgeborene Kinder unter 500 Gramm mit dem Klinikabfall. Familien hatten keinen Ort, um zu trauern. Die SPD-Stadträtin Helga Koch wollte das ändern. Sie sammelte Spenden, gewann Unterstützer aus Bürgerschaft und Wirtschaft und trieb das Projekt über Jahre voran. Von Anfang an beteiligt war Helga Beisel aus Zeiskam, Gründerin der Selbsthilfegruppe „Leere Wiege".

Ein Platz der Trauer

Am 17. August 2006 weihte die Stadt die „Ruhestätte der totgeborenen Kinder" auf dem Hauptfriedhof ein. Koch sagte damals: „Glücklich bin ich, dass Eltern einen Platz haben, wo sie dem Kind, das sie nicht haben durften, nahe sein und um es trauern können."

Zweimal im Jahr, jeweils am zweiten Mittwoch im Mai und im November, findet um 14 Uhr in der Trauerhalle des Hauptfriedhofs eine ökumenische Trauerfeier mit anschließender Beisetzung statt, die von Hauptamtlichen der evangelischen und katholischen Kirche durchgeführt wird. Für die Eltern ist die Bestattung kostenlos.

Liebevoll gestaltete Trauerfeier

Der Sarg steht geschmückt mit Herzchen und Bärchen in der Trauerhalle. Angehörige tragen den Namen ihres Kindes in ein Buch ein, während der Feier werden die Namen verlesen. Jede Familie erhält eine Kerze, entzündet an der Osterkerze, manche stellen sie später am Grab ab. Eine Vertreterin des Islam liest eine Sure und spricht ein Gebet. „Die Zahl der Kinder schwankt: Im Mai waren es circa 60, an manchen Terminen kommen fast hundert zusammen“, berichtet Hede Metz, die die Feier seit vielen Jahren mitgestaltet und sie aktuell zusammen mit Pastoralreferent Manfred Heitz organisiert. „Seit 2025 besteht ein runder Tisch, zu dem das Friedhofsamt alle Verantwortlichen der Trauerfeier einlädt“, sagt Hede Metz.

Der Einsatz der 2025 verstorbenen Helga Koch wirkte weit über Ludwigshafen hinaus: 2014 trug sie zur Änderung des rheinland-pfälzischen Bestattungsgesetzes bei. Seither sind in der Metropolregion Rhein-Neckar fast hundert ähnliche Gemeinschaftsruhestätten entstanden.

Änderungen durch neues Bestattungsgesetz

Für das Ludwigshafener Grabfeld bringt das neue Bestattungsgesetz von 2025 eine wichtige Änderung: Seit Anfang 2026 werden auch abgetriebene Kinder beigesetzt, zuvor wurden sie verbrannt. Medizinische Einrichtungen müssen sie nun würdig bestatten lassen, ihre Urne kommt in den Gemeinschaftssarg.

Das Grabfeld der Herzenskinder war nie als Übergangslösung gedacht. Zwei Jahrzehnte später tragen es viele Menschen mit: Eltern, die dort ihr Kind wissen, Ehrenamtliche, die die Trauerfeiern gestalten, und Spender, die das Projekt von Beginn an ermöglicht haben. Einen Ort für Trauer zu schaffen, wo keiner war, das war die Idee von 2006. Sie gilt bis heute.

Informationen und Spenden: www.leere-wiege.com
Nächste Beisetzung: zweiter Mittwoch im November 2026, 14 Uhr, Trauerhalle Hauptfriedhof Ludwigshafen

 

Bild (Frieder Metz): Hede Metz auf dem Grabfeld der Herzenskinder