Mittwoch, 03. Mai 2017

„Vom Wert eines Kindes“ in der Woche für das Leben

Wenn das Leben nicht so spielt, wie man es geplant hat, dann ist Flexibilität gefordert. Im Hinblick auf Schwangerschaft und Geburt eines Kindes erleben Frauen und Paare diese Notwendigkeit häufig – und dann tritt in vielen Fällen die Schwangerschaftsberatung des Caritaszentrums Ludwigshafen auf den Plan. „Das ist Grundlage unseres Beratungsangebotes“, sagen Monika Rinder und Pia Giammeluca, die beiden Beraterinnen der Einrichtung. Sie versuchen mit den Ratsuchenden zu erkunden, wie diese Flexibilität gestaltet werden kann.

Die diesjährige bundesweite  „Woche für das Leben“ vom 29. April bis 06. Mai steht unter dem Motto „Kinderwunsch – Wunschkind – Designerbaby“. Mit der von der Deutschen Bischofskonferenz und dem Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland gemeinsam getragenen Aktion „Woche für das Leben“ leisten die Kirchen seit mehr als 20 Jahren einen wichtigen Beitrag zur Bewusstseinsbildung für den Wert und die Würde des menschlichen Lebens.

Im Caritaszentrum wird schon seit einigen Wochen auf dieses Thema mit Hilfe einer Stellwand aufmerksam gemacht. Infomaterial zu den eigenen Angeboten und zu den Hintergründen der „Woche für das Leben“ ist bereit gestellt. „Wir beraten viele Frauen, die nicht schwanger werden, oder die schon mehrere Fehlgeburten hinter sich haben“, berichten den Fachfrauen. Medizinische Fragen können sie nicht klären, aber vieles andere: „In unserer psycho-sozialen Beratung geht es auch darum, warum sich die Frauen ein Kind wünschen, welche Bedeutung ein Kind für ihr Leben hat, ob sie von ihrem Kinderwunsch abrücken können, oder welche Alternativen es für sie gibt.“

Auf Knopfdruck schwanger werden oder ein „Kind aus dem Katalog“, wie es manchmal suggeriert wird, das ist nach wie vor nicht möglich, betonen sie. Der Wunsch nach einem „Designerbaby“ ist beiden zwar noch nicht vorgetragen worden, wohl aber die Frage nach Möglichkeiten zur pränatalen Diagnostik. „Alles rund um Schwangerschaft und Elternsein ist ein wichtiges Thema unserer Zeit“, sagen Giammeluca und Rinder: „Wir müssen mit den werdenden Eltern oder Paaren mit Kinderwunsch auch darüber sprechen, was ihnen persönlich wichtig ist am Leben und am Menschsein.“ Aber, bedauert Giammeluca: „Diese Themen sind zu wenig in der Diskussion, und da verschiebt sich einiges an Werten.“

Und damit kommt sie wieder auf die Flexibilität zu sprechen, die das Leben von den Ratsuchenden abverlangt: 515 „Fälle“ sind im Jahr 2016 in der Beratungsstelle behandelt worden. Die Zahl ist unverändert hoch für einen Stellenumfang von zusammen 1,5 Stellen. „Meistens handelt es sich bei den Ratsuchenden um ungewollte oder ungeplante Schwangerschaft“, sagt Monika Rinder. In jedem Fall sind sie und ihre Kollegin gefordert, mit den Frauen oder Paaren zu klären, welche Optionen nun offen stehen. „Wir können über den Tellerrand blicken, als Außenstehende ganz andere Fragen stellen und den Blick weiten“, sagen sie – mit dem Ziel, aus Plan A, der nun nicht mehr aktuell ist, einen Plan B, C oder gar D zu entwickeln: das Leben kreativ zu gestalten. Das gilt für Kinderwunsch ebenso wie für die Angst vor einem Leben mit einem – eventuell weiteren oder kranken - Kind.

Neben der persönlichen Beratung sind beide auch in der Online-Beratung und beim Chat-Angebot aktiv – die dafür geleisteten Stunden werden von der Bischöflichen Stiftung für Mutter und Kind finanziert. Auch im Internet treten die gleichen Fragen auf wie in der persönlichen Beratung. „Unsere Aufgabe besteht auch darin, den Frauen deutlich zu machen, dass ein Kinderwunsch oder eine Schwangerschaft mit Verantwortung übernehmen und tragen zu tun hat“, machen sie deutlich.

Aus diesem Grund soll es im Lauf dieses Jahres noch eine gemeinsame Veranstaltung mit den Kollegen aus der Suchtberatung im Caritaszentrum geben: Denn Alkohol oder andere Betäubungsmittel sind Gift für das ungeborene Leben. Und die Woche für das Leben, denken die beiden, erinnert zumindest einmal im Jahr daran: „Das Leben ist kostbar! Was kann man alles damit machen, und welche Verantwortung ist damit verbunden?“

Veranstaltungshinweis: Das Heinrich Pesch Haus veranstaltet anlässlich der Woche für das Leben einen Themenabend über: „Is egg freezing social?“ – Am Donnerstag, 04.05.2017, geht es in der Zeit von 18 bis 19.30 Uhr um ethische und rechtliche Fragen um das Thema Einfrieren von Eizellen für eine spätere Schwangerschaft.

Dr. Claudia Bozzaro, Institut für Ethik und Geschichte der Medizin der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, wird das Verfahren vorstellen und mit den Teilnehmenden über die ethischen Fragestellungen ins Gespräch kommen. Denn während Befürworter „egg freezing“ als weiteren großen Schritt nach der Entwicklung der Pille und als Ausdruck der reproduktiven Autonomie preisen, melden Kritiker melden Bedenken an, da sie u. a. eine veränderte Familienstruktur fürchten.

Auf dem Foto: Pia Giammeluca