Donnerstag, 26. März 2026

Das Recht auf Glück

Beim Marte Meo-Fachtag im HPH am 24. März 2026 herrschte mit 365 Teilnehmenden großer Andrang.

Mit 365 Teilnehmenden und 170 weiteren auf der Warteliste stieß der Marte Meo-Fachtag im Heinrich Pesch Haus am 24. März 2026 auf überwältigendes Interesse. Gemeinsam mit Maria Aarts und Dr. Michael Hipp stand die Frage im Mittelpunkt, wie Menschen – besonders in belasteten Lebenssituationen – Glück, Beziehung und Selbstwirksamkeit erfahren können.

Sabine Herrle (Marte Meo Pfalz) und Jana Sand (Familienbildung im Heinrich Pesch Haus) begrüßten die zahlreichen Fachkräfte aus sozialen, psychologischen, pädagogischen und pflegerischen Bereichen in der vollbesetzten Aula. Im Zentrum des Tages stand eine grundlegende Frage: Was bedeutet es, Glück zu erfahren – insbesondere für Menschen, die in ihrem Leben wenig Unterstützung, Wertschätzung und tragende Beziehungen erlebt haben?

„Glück ist kein Zufallsprodukt“, betonte Sabine Herrle. Es entstehe durch viele Faktoren – vor allem aber durch Menschen. Beziehungen, die tragen, fördern und wertschätzen, seien entscheidend. Doch nicht alle Menschen machen diese Erfahrung. Der Fachtag ging daher der Frage nach, wie gerade belastete Eltern und Familien glückliche Momente erleben und Selbstwirksamkeit entwickeln können – und wie Fachkräfte sie dabei unterstützen können.

Ein besonderer Höhepunkt war der Beitrag von Maria Aarts, Begründerin der Marte Meo-Methode, die auf ihr beeindruckendes Lebenswerk zurückblickte und Erkenntnisse aus ihrer jahrzehntelangen Arbeit teilte. Die 75-Jährige hat ihren Ansatz in 54 Ländern weltweit verbreitet – von China und Südkorea bis hin zu indigenen Gemeinschaften in Australien und zuletzt in Japan. Dabei, so Aarts, habe sie selbst immer weiter gelernt. Sie äußerte ihre Dankbarkeit gegenüber allen, die Marte Meo täglich anwenden, und kündigte an, das Prinzip künftig auch an Universitäten etablieren zu wollen.

Ihr Leitsatz zieht sich durch ihre Arbeit: Jeder Mensch hat das Recht, er selbst zu sein. Entscheidend sei, dort anzusetzen, wo Menschen stehen – nicht dort, wo man sie haben möchte. Gelingende Interaktion beginne mit kleinen, aber wirkungsvollen Elementen: gesehen werden, wahrgenommen werden, willkommen sein.

Glück entstehe, so Aarts, wenn Menschen sich zugehörig fühlen und gesehen werden. Anhand eindrücklicher Beispiele zeigte sie, dass die Grundlagen gelingender Beziehung universell sind – unabhängig vom Alter. Ob im Umgang mit Säuglingen oder mit dementen Seniorinnen und Senioren: Ein freundlicher Blick, ein einladendes Gesicht und die Botschaft „Ich sehe dich gern“ bilden die Basis.

Im Dialog mit Dr. Michael Hipp wurde zudem deutlich, wie wichtig ein bindungs- und traumasensibler Ansatz in der Arbeit mit psychisch belasteten Eltern ist. Viele von ihnen haben selbst schwierige Kindheitserfahrungen gemacht, die ihre Fähigkeit zur Stressregulation und Beziehungsgestaltung beeinträchtigen. Klassische Beratungsansätze stoßen hier oft an Grenzen.

Die Marte Meo-Methode setzt genau hier an: Sie ermöglicht Eltern konkrete, positive Interaktionserfahrungen mit ihren Kindern. Diese aktivieren das Belohnungszentrum im Gehirn und schaffen die Grundlage für neue Lernerfahrungen, mehr Sicherheit und letztlich auch für Glücksmomente. Unter guten Gefühlen – so die zentrale Erkenntnis – können Menschen besser lernen und Beziehungen neu gestalten.

Der Fachtag machte eindrucksvoll deutlich: Das Recht auf Glück ist kein abstrakter Anspruch, sondern eine konkrete Aufgabe – für Fachkräfte, für Institutionen und für die Gesellschaft insgesamt. Die große Resonanz zeigt, wie relevant und aktuell dieses Thema ist. (ako)