Mittwoch, 18. März 2026
"Immer wieder Gestalter sein"
Beim Resonanzabend in Ludwigshafen diskutierte Bischof Wiesemann über die Pfarreistrukturreform.
Um Zuhören, um Austausch und Beratung ging es beim Besuch von Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann am 17. März 2026 im Dekanat Ludwigshafen. Bistumsleitung und Dekanatsrat diskutierten beim sogenannten Resonanzabend das neue Strukturkonzept des Bistums Speyers. Es sieht für Ludwigshafen die Bildung einer einzigen Pfarrei vor.
Es war der sechste von elf geplanten Dekanatsbesuchen – Teil eines breit angelegten Beratungsprozesses, an dem Bischof Wiesemann, Generalvikar Markus Magin, Kanzleidirektor Wolfgang Jochim und Kerstin Fleischer, Leiterin der Hauptabteilung I, teilnahmen. Im Dekanat Ludwigshafen hatten zuvor verschiedene Gremien und Gruppen über das Konzept beraten und sich ausgetauscht, um ein gemeinsames Zukunftsbild für Kirche in Ludwigshafen zu entwickeln. Am Dienstag wurden diese Ergebnisse nun der Bistumsleitung vorgestellt und diskutiert.
„Es geht darum, nicht Opfer der Veränderungen, sondern Gestalter zu sein“, betonte Bischof Wiesemann. „Wir gehen jetzt einen Schritt, der mutig ist und für die Zukunft belastbar. Wir wollen das miteinander entwickeln“.
Was die Gemeinden bewegt
Nach einer geistlichen Einstimmung standen die Rückmeldungen aus den Ludwigshafener Pfarreien und Gremien im Zentrum des Abends: Was bringen die einzelnen Gruppen an Resonanzen mit? Wo gibt es Gemeinsamkeiten? Wo gibt es Unterschiede? Wo hat das Konzept Lücken?
Ein zentrales Thema war die Rolle der Ehrenamtlichen, die künftig mehr Verantwortung – etwa im Pfarreivorstand – übernehmen sollen. Dies wurde konstruktiv, aber auch kritisch diskutiert. Ebenso wichtig: Seelsorge braucht Nähe. Die Gemeinden forderten feste Ansprechpartner vor Ort und dezentrale Pfarrbüros als Kontaktstellen. Kanzleidirektor Jochim sicherte zu, dass bestehende Pfarrbüros als Anlaufstellen erhalten bleiben. „Dazu gehört auch die Person des Kümmerers, der vor Ort ist“, so Jochim. Eines der Pfarrbüros werde voraussichtlich als zentrales Pfarrbüro der neuen Pfarrei fungieren.
Pfarrei neu gedacht
Generalvikar Magin erläuterte den Strukturwandel: „An vielen Stellen beginnt mit dem Entwurf etwas Neues. Pfarrei und Gemeinde werden künftig anders definiert als heute.“ Die Pfarrei diene zukünftig als organisatorisches Dach, während Gemeinden dort entstehen, wo christliches Leben konkret stattfindet – nicht zwangsläufig an jedem Kirchturm. „Und wir werden nicht mehr alle Kirchtürme haben“, stellte er klar. „Christsein lebt von Gemeinschaften, die ihren Glauben bezeugen“, so Magin.
Klar sei auch: Nicht alles Bestehende lässt sich fortführen. „Exnovation bedeutet, dass wir manches bewusst nicht mehr tun werden, weil es nicht mehr tragfähig ist.“ So werde es künftig statt eines Leitungsteams einen Pfarreivorstand geben.
Verwaltung und Gremien im Fokus
Kritisch hinterfragt wurde auch der neu konzipierte Verwaltungsrat, der künftig aufsichtsratsähnliche Funktionen übernehmen soll. „Das ist fast eine Revolution“, räumte Jochim ein. Seine Größe, Arbeitsweise und die Vertretung der Kirchenstiftungen im Verwaltungsrat werden derzeit noch geprüft.
Positiv aufgenommen haben die Ludwigshafener Katholiken die geplante Kita-gGmbH und die feste hauptamtliche Verwaltungskraft in der Pfarreileitung. Eine angeregte Vernetzung mit evangelischen Verwaltungseinheiten bewertete Jochim als „interessanten Gedanken“.
Bis Ende April folgen weitere Beratungen in allen Dekanaten der Diözese. Anschließend werden die Rückmeldungen ausgewertet und bei der Diözesanversammlung am 13. Juni 2026 weiterberaten. „Für den weiteren Weg werden wir Expertise von außen brauchen und uns gegenseitig begleiten müssen“, so Generalvikar Magin. Ein Datum für den Beginn der neuen Strukturen stehe noch nicht fest.
Bischof Wiesemann: Mut zur Chance
Für Bischof Wiesemann sind die neuen Pfarreien vor allem „große Ermöglichungsräume“: für unterschiedliche Initiativen, für Segensorte, Pioniere, kleine Gemeinschaften und organisierte Angebote. Dabei brauche es Orte der Beheimatung. „Auch wenn die Reform herausfordernd ist, kann sie motivieren, neue pastorale Wege zu entdecken und die Botschaft Christi neu zum Leuchten zu bringen.“ Es mache Mut, dass so viele Menschen mitdenken. Sein Appell: „Ich wünsche mir, dass wir diesen Schritt gemeinsam und mit Herz gehen – mit flexibleren Formen, die unsere Zeit und das Evangelium brauchen.“
Dr. Anette Konrad


