Donnerstag, 22. Januar 2026

Dekanatsrat Ludwigshafen berät Strukturprozess der Diözese Speyer

Die Rückmeldungen aus sieben Themenfeldern werden an das Bistum weitergegeben und beim Bischofsbesuch am 17. März 2026 vertieft.

Der Dekanatsrat Ludwigshafen hat sich in seiner Sitzung am Mittwoch, 14. Januar 2026, intensiv mit dem überarbeiteten Strukturkonzept der Diözese Speyer zur Weiterentwicklung der Gemeindepastoral befasst. Grundlage der Beratungen war der aktuelle Entwurf „Der Geist ist es, der lebendig macht – Gemeindepastoral 2025“, der sich derzeit in der zweiten diözesanen Beratungsphase befindet. Die Rückmeldungen sollen am 17. März 2026 im Rahmen des Besuchs von Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann gemeinsam weiter diskutiert werden.

Nach der Vorstellung eines ersten Konzeptentwurfs bei der Diözesanversammlung im November 2024 folgte bis März 2025 ein diözesanweiter Beratungsprozess mit mehr als 3.500 Rückmeldungen. Diese wurden in 22 Themenfeldern gebündelt und bei der Diözesanversammlung im März 2025 beraten. Zentrale Voten waren unter anderem die Einführung einer übergeordneten Ebene (Dekanat), die Reduktion auf eine pastorale Ebene darunter, verbindliche große pastorale Teams, eine stärkere Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamtlichen sowie die Stärkung von Synodalität und Ökumene.

Nach weiteren Beratungen, einer Klausurtagung des Allgemeinen Geistlichen Rates und der Arbeit von fünf diözesanen Arbeitsgruppen wurde der überarbeitete Entwurf im Oktober 2025 veröffentlicht. Seit der Diözesanversammlung im November 2025 läuft nun die zweite Beratungsphase auf Ebene der Pfarreien, Dekanate und des Bistums.

Sechs Themenfelder im Fokus des Dekanatsrats

Der Dekanatsrat Ludwigshafen hat insbesondere sieben Kapitel des Konzepts diskutiert. Ein Schwerpunkt lag dabei auf den pastoralen Räumen und der zukünftigen Verwaltungsstruktur.

  1. Neue pastorale Räume
    Klärungsbedarf besteht bei der Verortung kategorialer Seelsorge wie  zum Beispiel Krankenhaus- und Hochschul-Seelsorge oder die muttersprachlichen Gemeinden. Diskutiert wurde, ob zentrale Verwaltungsstrukturen oder dezentrale Verwaltungscluster zielführender sind. Dekan Dominik Geiger hob hervor, dass die bisherigen Überlegungen zur Stadtkirche Ludwigshafen mit einem Verwaltungsrat und einem zentralen Pfarrbüro mit Außenstellen in das Konzept passen.
  2. Die Pfarrei
    Skepsis äußerte der Dekanatsrat gegenüber einer starken ehrenamtlichen Beteiligung in der Pfarreileitung. Diese werde vielerorts als Überforderung wahrgenommen. Wenn ehrenamtliche Beteiligung vorgesehen ist, müsse sie mindestens durch zwei Personen erfolgen. Kritisch gesehen wurde zudem ein Informationsgefälle zulasten Ehrenamtlicher.
  3. Die Gemeinden
    Positiv hervorgehoben wurde das klare Bekenntnis zu den Gemeinden als Orten gelebten kirchlichen Lebens und sozialer Anbindung. Die im Konzept vorgesehenen Freiräume für die konkrete Ausgestaltung vor Ort wurden ausdrücklich begrüßt. Offen blieb jedoch die Frage, ob kategoriale Gemeinden künftig eigenständig sichtbar bleiben können.
  4. Ökumene
    Große Zustimmung fand das Kapitel zur Ökumene. Besonders positiv bewertet wurde die Möglichkeit, dass ein Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) als vollwertiges Mitglied in einen Gemeindeausschuss gewählt werden kann.
  5. Veränderung der Rollen und Arbeitsweisen
    Kritisch angemerkt wurde die Gefahr, dass Aufgaben von Hauptamtlichen auf Ehrenamtliche verlagert werden – und dies in einer Zeit rückläufigen ehrenamtlichen Engagements. Hier wurde eine klare Aufgaben- und Rollenklärung eingefordert.
  6. Verwaltung in der neuen Pfarrei
    Die geplante Verwaltungsstruktur wurde intensiv diskutiert. Kritisiert wurden der Wahlmodus des Verwaltungsrats sowie die Sorge, dass einzelne Gemeinden oder Kirchenstiftungen künftig nicht mehr angemessen repräsentiert sind. Befürchtet wird eine Entkopplung der Gemeinden vor Ort von Entscheidungsprozessen und ein Abwürgen lokalen Engagements. Positiv hervorgehoben wurde hingegen die vorgesehene hauptamtliche Verwaltungskraft in der Pfarreileitung. Klärungsbedarf besteht insbesondere bei Aufgaben, Kompetenzen und der Rolle des Verwaltungsrats, der nicht auf ein reines Aufsichtsorgan reduziert werden solle.

Ausblick: Weiterer Austausch auf allen Ebenen

Die Beratungen im Dekanatsrat sind Teil eines bewusst von der Basis her angelegten synodalen Prozesses. In den kommenden Monaten folgen weitere Beratungen in allen Dekanaten der Diözese, bevor die gesammelten Rückmeldungen auf diözesaner Ebene ausgewertet und bei der Diözesanversammlung am 13. Juni 2026 weiter beraten werden. Ein wichtiger nächster Schritt ist der Besuch von Bischof Wiesemann am 17. März 2026 in Ludwigshafen, bei dem die Rückmeldungen des Dekanatsrats gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der Bistumsleitung vertieft diskutiert werden sollen.(ako