Montag, 02. November 2026
"Gemeinsam einen synodalen Weg gehen"
"Unser synodales Beraten muss weitergehen“ – so begrüßte Diözesanadministrator Markus Magin die Mitglieder der ehemaligen Diözesanversammlung am Samstag zu ihrer ersten Sitzung im Heinrich Pesch Haus in Ludwigshafen.
Mit dem Rücktritt von Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann im August hatte auch die Amtszeit der Diözesanversammlung geendet. „Grundsätzlich ist es aber so, dass unsere Verantwortung mit dem Bischofsstuhl nicht vakant geworden ist“, betonte die Vorsitzende Dr. Isabelle Faul. Diözesanadministrator Magin habe noch am Tag seiner Ernennung gebeten, die Beratungen durch die Diözesanversammlung weiterhin in Anspruch nehmen zu wollen. „Das ist ein starkes Zeichen“, so Faul. „Die Vakanz bedeutet nicht Stillstand der gemeinsamen Beratungen. Der Platz auf dem Bischofsstuhl ist leer, aber unser gemeinsamer Beratungstisch bleibt besetzt.“
Diözesanadministrator Magin gab den Mitgliedern einen Einblick in die Zeit der Sedisvakanz und seine Aufgaben als Diözesanadministrator. Auch er betonte, dass es ihm um eine „informelle Beratung“ gehe, nicht um eine Beschlussfassung. Er bitte die ehemalige Diözesanversammlung vielmehr um „Anregungen, Hinweise, Hilfen und Informationen“. Es sei wichtig, „miteinander zu beraten, miteinander nach guten Wegen für die Zukunft zu suchen und miteinander den Glauben zu leben“. Er lud die Mitglieder ein, „gemeinsam einen synodalen Weg (zu) gehen“.
Auch Synodalpräsident Hermann Lorenz von der evangelischen Landeskirche der Pfalz, der zusammen mit Oberkirchenrat Markus Jäckle als Gast an der Versammlung teilnahm, sprach in seinem Grußwort von einem „denkwürdigen Tag“: „Nach dem Rücktritt Ihres Bischofs kommen Sie erstmals wieder zusammen, um über die Zukunft Ihres Bistums zu beraten.“ Er gab den Teilnehmenden einen Überblick über die aktuellen Prozesse bei der Landeskirche, unter anderem über die laufende Strukturreform und die Einrichtung eines gemeinsamen Trägers für sämtliche protestantischen Kindertagesstätten.
Entsendung nach Antalya
Als besondere Gäste begrüßte die ehemalige Diözesanversammlung zudem Weltkirche-Referent Christoph Fuhrbach und Christian Englert. Sie machten sich am Samstag gemeinsam mit dem Fahrrad auf den Weg zur COP31, der UN-Klimakonferenz 2026, in Antalya in der Türkei. In 16 Etappen werden sie die 3.200 Kilometer zurücklegen und unterwegs fünf Projekte des Hilfswerks Renovabis besuchen. Diözesanadministrator Markus Magin und die Mitglieder der ehemaligen Diözesanversammlung spendeten ihnen den Reisesegen für ihre Fahrt.
Christoph Fuhrbach erzählte: „Ich bin seit Jahrzehnten beeindruckt, bewegt und berührt von der Botschaft Jesu. Er sagte: ‚Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.‘“ Fuhrbach habe schon viele Orte gesehen, an denen dieses Leben in Fülle weit entfernt schien. „Ich sehe unsere Tour als Versuch, die Lücke zwischen diesen Worten Jesu und der Realität in der Welt ein bisschen kleiner zu machen. Mich begleitet die Hoffnung auf eine gerechtere Welt, zu der wir als Christinnen und Christen etwas beitragen können.“
Einblicke in die Pfarreistrukturreform
In Rahmen der Sitzung stellte Alexander Hunt-Radej, Mitglied der Steuerungsgruppe, die den pastoralen Prozess der Pfarreistrukturreform „Ein Segen sollt ihr sein“ im Bistum verantwortet, den im Auftrag der Diözesanversammlung entwickelten Projektphasenplan vor. Dieser gliedert die anstehenden und zum Teil bereits abgeschlossenen Aufgaben in 11 Phasen, und zielt auf eine Umsetzung der Reform frühestens zum 1. Januar 2029 ab. Aufgrund der Sedisvakanz können einzelne Maßnahmen des Plans aktuell nicht angegangen werden, weshalb auch die Terminierung der Umsetzung noch offen ist.
Im Anschluss präsentierten Thomas Bauer und Kerstin Fleischer von der Steuerungsgruppe den Prozess der territorialen Gemeindebildung. Hierfür wurden Kriterien entwickelt, die bei der Entscheidung unterstützen sollen – zum Beispiel ob und inwieweit die Gemeinden und Pfarreien zusammenarbeiten, wie das gottesdienstliche und sakramentale Leben oder die ökumenische Präsenz aussehen, und ob es ausreichend Menschen vor Ort gibt, die Verantwortung übernehmen. Auf Basis der Kriterien sollen die heutigen Pfarreien prüfen können, ob sie sich langfristig zu einer oder mehrerer Gemeinden entwickeln können, oder ob ein Zusammenschluss mit anderen Pfarreien zukunftsfähiger ist.
Synodalität in der katholischen Kirche und im Bistum Speyer
Das Synodalteam im Bistum Speyer, bestehend aus Dr. Thomas Stubenrauch, Gerhard Frübis, Gaby Kemper und Marius Wingerter, gestaltete den Tagesordnungspunkt „Für eine synodale Kirche: Gemeinschaft, Teilhabe und Sendung“. Nach einem Impuls zum Abschlussdokument der Weltsynode schloss sich ein Gespräch im Geist zum Thema Synodalität an. Die Mitglieder der ehemaligen Diözesanversammlung tauschten sich zu Aussagen wie „Synodalität gründet in der gemeinsamen Würde und Verantwortung aller Getauften“ oder „Synodalität durchdringt alle Ebenen und Handlungsfelder der Kirche“ aus. Die Ergebnisse werden zusammen mit denen aus einer bis Ende November laufenden Umfrage in einen narrativen Bericht und eine diözesane Evaluierungsversammlung im April 2027 einfließen.
Maria Rosenberg – Ein Leuchtturm für Glaubende, Pilgernde und Suchende
Schließlich stellte Kerstin Fleischer, Leiterin der Hauptabteilung Seelsorge im Bistum, der ehemaligen Diözesanversammlung die im Rahmen eines Workshops entwickelte Vision und das pastorale Konzept für die künftige Ausrichtung des Wallfahrtsorts Maria Rosenberg vor. Das geistliche Zentrum mit, unter anderem, täglichen Gottesdiensten, geistlicher Begleitung, Gesprächs- und Beichtgelegenheiten bleibt auch in Zukunft erhalten; ein Schwerpunkt wird zudem weiterhin auf Wallfahrten und Pilgern gelegt. Darüber hinaus soll Maria Rosenberg künftig auch zu einem Ort für Kinder und Familien – durch entsprechende Angebote wie Familienwallfahrten oder Spielmöglichkeiten – sowie für Jugendliche und junge Erwachsene – zum Beispiel durch Jugendtreffs oder digitale Angebote – weiterentwickelt werden. Kerstin Fleischer führte darüber hinaus aus, welche räumlichen Anforderungen sich aus dem pastoralen Konzept ableiten, unter anderem die Einrichtung einer Selbstversorgereinheit und von Multifunktionsräumen für Gruppen. Das Konzept wurde in der ehemaligen Diözesanversammlung intensiv besprochen. Nun werden die inhaltlichen Ansätze mit dem Bauamt des Bistums beraten und Ideen für ein Baukonzept entwickelt. Konkrete Beschlüsse können erst durch einen neuen Bischof umgesetzt werden.
Bild:
- Diözesanversammlung01: Sitzung der ehemaligen Diözesanversammlung im Heinrich Pesch Haus in Ludwigshafen © Bistum Speyer
