Donnerstag, 06. August 2026

"Wir haben ein kostbares Erbe mit diesem Glaubenszeugen"

Die Pfarrei Hl. Katharina von Siena erinnert mit sechs Veranstaltungen an Pfarrer Wilhelm Caroli. Das Gedenken beginnt mit einem Festgottesdienst mit Bischof Wiesemann am 16. August 2026.

Die katholische Pfarrei Hl. Katharina von Siena erinnert von August bis Dezember 2026 mit sechs Veranstaltungen an Pfarrer Wilhelm Caroli, der von 1926 bis 1938 Pfarrer der Gemeinde St. Joseph in Ludwigshafen-Rheingönheim war und sich als entschiedener Gegner des Nationalsozialismus einen Namen machte. Anlass ist der hundertste Jahrestag seines Amtsantritts in Rheingönheim.

„In einer Zeit der gesellschaftlichen Verunsicherung und dem Erstarken extremer politischer Tendenzen scheint es angebracht, an diesen mutigen Seelsorger zu erinnern, der seinen unerschrockenen Einsatz mit dem Leben bezahlen musste. Motivation dafür war sein unerschütterlicher Glaube und sein christliches Menschenbild", sagt Pfarrer Szuba. „Wir haben ein kostbares Erbe mit diesem Glaubenszeugen.“

Sechs Termine von August bis Dezember

Ein eigens gegründeter Arbeitskreis aus Gemeindemitgliedern und einem Historiker hat das Programm in den vergangenen anderthalb Jahren vorbereitet. Dem Arbeitskreis gehören Rita Ackermann, Thomas Hebgen, Clemens Kirschner, Monika und Bernd Neumann sowie Pfarrer Josef D. Szuba an. Den Auftakt bildet ein Festgottesdienst am Sonntag, 16. August 2026, um 11:00 Uhr in der Pfarrkirche St. Joseph. Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann feiert die Messe gemeinsam mit Dekanatskantor Georg Treuheit an der Orgel und dem Chor „Kanaan". Im Anschluss findet unter der Empore ein Stehempfang statt.

Am Todestag von Pfarrer Caroli, Sonntag, 23. August 2026, folgt um 11:00 Uhr im Anschluss an den Sonntagsgottesdienst eine kurze Andacht.

Am Mittwoch, 30. September 2026, hält Dr. Thomas Fandel, Leiter des Bistumsarchivs Speyer, um 18:00 Uhr im Vortragssaal der Volkshochschule im Bürgerhof Ludwigshafen-Mitte einen Vortrag mit dem Titel „NS-Gegner und KZ-Opfer: Pfarrer Wilhelm Caroli".

Am Sonntag, 4. Oktober 2026, gestaltet Bezirkskantor Georg Treuheit um 17:00 Uhr ein Orgelkonzert, das vom Förderverein Orgel und Kirchenmusik St. Joseph und St. Michael e. V. unterstützt wird.

Am Volkstrauertag, Sonntag, 15. November 2026, gestaltet der Posaunenchor Rheingönheim unter Leitung von Sönke Vogelsberg um 17:00 Uhr einen musikalischen Gedenkabend mit Instrumentalstücken, Gemeindeliedern und Texten.

Den Abschluss bildet ein Gottesdienst am Samstag, 5. Dezember 2026, um 18:30 Uhr, den Domdekan em. Dr. Christoph Kohl als Vorabendmesse zelebriert.

Wer war Wilhelm Caroli?

Wilhelm Caroli wurde am 7. April 1895 in Saarlouis geboren und am 12. März 1921 in Speyer zum Priester geweiht. Im Dezember 1926 übernahm er seine erste Pfarrstelle in St. Joseph, Rheingönheim. Als Chefredakteur des Ludwigshafener Kirchenblatts positionierte sich Caroli früh gegen die Nationalsozialisten. Seine Predigten standen deshalb unter Beobachtung. „In der Nacht vom 26. auf den 27. Juni 1933 überfiel ein NSDAP-Schlägertrupp den Pfarrer vor dem Pfarrhaus und schlug ihn bewusstlos“, berichtet Pfarrer Szuba. Zwei Jahre später, am 8. Juli 1935, fand ein von Nationalsozialisten organisierter Kirchensturm statt. Zwischen 700 und 1000 NSDAP-nahe Menschen forderten Carolis Ermordung, während einige Katholiken zur Alarmierung der Gemeinde die Kirchenglocken läuteten. Die Gestapo erteilte Caroli daraufhin einen Ortsverweis. Caroli zog nach Mannheim. 1937 folgten ein Aufenthaltsverbot für die Pfalz und das Saarland sowie eine achtmonatige Gefängnisstrafe, weil er wiederholt gegen das Reichsflaggengesetz verstieß. Im Februar 1938 enthob ihn der Speyerer Bischof Ludwig Sebastian seines Amtes.

Er lebte zunächst bei seinen Brüdern in Kell und Kürrenberg, ab 1939 im eigenen Haus in Kottenheim bei Mayen. Auch im Ruhestand ließ sich Caroli nicht zum Schweigen bringen. Wegen einer Predigt gegen die Euthanasie wurde er im Oktober 1941 verhaftet und am 18. Februar 1942 ins Konzentrationslager Dachau eingeliefert. Dort starb er am 23. August 1942 an den Folgen von Entkräftung.

Erinnerung bis heute

Bis heute ist die Erinnerung an Caroli in Rheingönheim sichtbar. Die Straße vor der Kirche St. Joseph trägt bereits seinen Namen, ein Caroli-Platz soll folgen. Vor dreißig Jahren wurde seine Urne in einer Seitenkapelle der Kirche St. Joseph beigesetzt, die seither Wilhelm-Caroli-Kapelle heißt. Seit 2005 erinnert außerdem ein Stolperstein vor der Kirche an ihn. (ako)

Bilder (© Dr. Anette Konrad)

Bild 1: Gedenkstein für Pfarrer Wilhelm Caroli vor der Kirche St. Joseph

Bild 2: Die Erinnerung an Pfarrer Caroli wachhalten: Die Mitglieder des Arbeitskreises (von links) Thomas Hebgen, Clemens Kirschner, Josef D. Szuba und Monika Neumann in der Caroli-Gedenkkapelle