Montag, 27. Juli 2026

Gedenken an Pfarrer Wilhelm Caroli

Die Pfarrei Hl. Katharina von Siena erinnert mit sechs Veranstaltungen an Pfarrer Wilhelm Caroli. Den Auftakt bildet ein Gottesdienst mit Bischof Wiesemann am 16. August.

Die katholische Pfarrei Hl. Katharina von Siena erinnert von August bis Dezember 2026 mit sechs Veranstaltungen an Pfarrer Wilhelm Caroli, der von 1926 bis 1938 Pfarrer der Gemeinde St. Joseph in Ludwigshafen-Rheingönheim war und sich als entschiedener Gegner des Nationalsozialismus einen Namen machte. Anlass ist der hundertste Jahrestag seines Amtsantritts in Rheingönheim. Ein eigens gegründeter Arbeitskreis aus Gemeindemitgliedern und einem Historiker hat das Programm in den vergangenen anderthalb Jahren vorbereitet. Dem Arbeitskreis gehören Rita Ackermann, Thomas Hebgen, Clemens Kirschner, Monika und Bernd Neumann sowie Pfarrer Josef D. Szuba an.

Sechs Termine von August bis Dezember

Den Auftakt bildet ein Festgottesdienst am Sonntag, 16. August 2026, um 11:00 Uhr in der Pfarrkirche St. Joseph. Bischof Dr. Karlheinz Wiesemann feiert die Messe gemeinsam mit Dekanatskantor Georg Treuheit an der Orgel und dem Chor „Kanaan" unter dessen Leitung. Im Anschluss findet unter der Empore ein Stehempfang statt.

Am Todestag von Pfarrer Caroli, Sonntag, 23. August 2026, folgt um 11:00 Uhr im Anschluss an den Sonntagsgottesdienst eine kurze Andacht.

Am Mittwoch, 30. September 2026, hält Dr. Thomas Fandel, Leiter des Bistumsarchivs Speyer, um 18:00 Uhr im Vortragssaal der Volkshochschule im Bürgerhof Ludwigshafen-Mitte einen Vortrag mit dem Titel „NS-Gegner und KZ-Opfer: Pfarrer Wilhelm Caroli". Im Anschluss besteht Gelegenheit zum offenen Gespräch.

Am Sonntag, 4. Oktober 2026, gestaltet Bezirkskantor Georg Treuheit um 17:00 Uhr ein Orgelkonzert, das vom Förderverein Orgel und Kirchenmusik St. Joseph und St. Michael e. V. unterstützt wird.

Am Volkstrauertag, Sonntag, 15. November 2026, gestaltet der Posaunenchor Rheingönheim unter Leitung von Sönke Vogelsberg um 17:00 Uhr einen musikalischen Gedenkabend mit Instrumentalstücken, Gemeindeliedern und Texten.

Den Abschluss bildet ein Gottesdienst am Samstag, 5. Dezember 2026, um 18:30 Uhr, den Domdekan em. Dr. Christoph Kohl als Vorabendmesse zelebriert.

Wer war Wilhelm Caroli?

Wilhelm Caroli wurde am 7. April 1895 in Saarlouis geboren und am 12. März 1921 in Speyer zum Priester geweiht. Im November 1926 übernahm er seine erste Pfarrstelle in St. Joseph, Rheingönheim. Als Chefredakteur des Ludwigshafener Kirchenblatts wandte er sich früh und öffentlich gegen den Nationalsozialismus, weshalb seine Predigten in dieser Zeit überwacht wurden.

In der Nacht vom 26. auf den 27. Juni 1933 überfielen drei Männer der SA den Pfarrer vor dem Pfarrhaus in der heutigen Carolistraße 23 und schlugen ihn bewusstlos. Der damalige Pfarrer von St. Bonifaz, Ludwig Schlich, unterrichtete den Bischof von Speyer, Ludwig Sebastian, noch am selben Tag über den Vorfall. NSDAP-Ortsgruppe und Gauleiter forderten in der Folge die Versetzung Carolis. Am 8. Juli 1935 demonstrierte die SA erneut vor dem Pfarrhaus, drang in die Kirche ein und brachte dort Hakenkreuzfahnen an. SS-Angehörige und Sprechchöre forderten die Ermordung des Pfarrers. Zwei Tage später erteilte die Gestapo Ludwigshafen einen Ortsverweis, woraufhin Caroli nach Mannheim zog.

1937 erhielt er ein Aufenthaltsverbot für die Pfalz und das Saarland sowie eine Gefängnisstrafe, weil er sich weigerte, Hakenkreuzfahnen an der Kirche hissen zu lassen. 1938 musste er sein Amt in Rheingönheim nach anhaltenden Anfeindungen aufgeben und wurde in den Zwangsruhestand versetzt. Er lebte zunächst bei seinen Brüdern in Kell und Kürrenberg, ab 1939 im eigenen Haus in Kottenheim bei Mayen.

Im Oktober 1941 wurde Caroli wegen einer Predigt gegen die Euthanasie erneut verhaftet. Am 18. Februar 1942 wurde er in das Konzentrationslager Dachau eingeliefert, wo er in der Nacht vom 22. auf den 23. August 1942 an den Folgen von Entkräftung starb.

Erinnerung bis heute

Am 24. November 1996 wurden die sterblichen Überreste Wilhelm Carolis in einer Seitenkapelle der Kirche St. Joseph beigesetzt, die zuvor als Krieger-Kapelle diente und seither Wilhelm-Caroli-Kapelle heißt. Vor der Kirche erinnert zudem ein Stolperstein an den Pfarrer.

Die Pfarrei begründet die Veranstaltungsreihe auch mit dem Hinweis auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen. Angesichts wachsender politischer Verunsicherung sei es wichtig, an einen Seelsorger zu erinnern, der aus christlicher Überzeugung Widerstand geleistet und diesen Einsatz mit seinem Leben bezahlt habe, erklärte Pfarrer Josef D. Szuba, der zu allen Terminen der Reihe einlädt.

Bildnachweis: Pilger Speyer