Montag, 23. April 2018

Ehrenamtliche in der Caritas-Arbeit tauschen sich aus

„Die Begegnungen in den Häusern sind mir ganz wichtig. Da fühle ich mich hingerufen.“ Elsbeth Jorek lebt sie 58 Jahren auf dem Gebiet der Gemeinde Herz Jesu, ist oft schon umgezogen, „aber den Kirchturm habe ich nie gewechselt“, erzählt sie lachend. Seit 40 Jahren engagiert sie sich im Caritas-Kreis, und „dieses Stück Zuhause“ möchte sie sich bewahren.

Elsbeth Jorek und weitere elf Engagierte in der Caritas-Arbeit sind der Einladung von Claudia Möller-Mahnke und Johannes Münd vom Caritas-Zentrum Ludwigshafen gefolgt, um sich über ihre Arbeit auszutauschen, voneinander zu erfahren und zu lernen und Unterstützungsbedarf durch das Caritas-Zentrums zu erfragen.

Im Zuge des Prozesses vom Gemeindepastoral 2015 sollten in allen Pfarreien Caritasausschüsse gebildet werden. Tatsächlich ist das aber nicht in allen fünf Pfarreien Ludwigshafens geglückt – und trotzdem gibt es viel caritatives Engagement.

In St. Sebastian etwa ist Ingrid Günther schon seit vielen Jahren aktiv im Caritas-Altenzentrum St. Josefspflege. Wöchentlich hilft sie beim Dämmerschoppen mit, alle 14 Tage beim Bingo-Spielen mit den Bewohnern. „Ich mache das gerne, und die alten Leute freuen sich“, sagt sie. „Und wenn es mal ausfällt, dann fehlt mir selbst auch etwas“.

Die kfd in St. Gallus sieht als eine ihrer Aufgaben die Wohnviertelarbeit. Darunter fallen vor allem Besuche zu runden Geburtstagen, Ehejubiläen oder bei neu Zugezogenen. Elsbeth Kreutzenberger weiß aus ihrer jahrelangen Erfahrung: „Die Leute warten darauf, dass wir kommen und ein bisschen mit ihnen erzählen“. Häufig sind alte, einsame und zum Teil verarmte Menschen die Besuchten. „Manche kennt man, aber es gibt so viele Menschen, die kennt man nicht und weiß nicht einmal, dass sie zur Kirche gehören“, ist eine Erfahrung, die viele schon gemacht haben.

„Da ist es wichtig, dass wir nicht nur unser Geschenk von der Pfarrei abgeben, sondern auch bleiben, denn erst dann findet Begegnung statt“, sind sich die Caritas-Engagierten einig. Diakon Hubert Münchmeyer lobt die Einstellung der Ehrenamtlichen: „Es ist wichtig, dass Sie Herzlichkeit nicht standardisieren, wie es manche Kommunalpolitiker bei ihren Besuchen tun.“ Wenn man nur kurz ein Geschenk abgeben möchte, „dann kann man es auch sein lassen“, findet er. „Wenn die Begegnung aber echt ist, dann ergeben sich so tolle Gespräche, und das ist Seelsorge im besten Sinne.“

Zu Beginn des Austauschtreffens hatte Claudia Möller-Mahnke an die Teilnehmerinnen die Frage gestellt: „Wo ist der Platz, wo Gott Sie hingestellt hat?“ Die Antworten fielen den Frauen nicht schwer: Es waren diese Besuchsdienste, aber auch die Gemeinde, in der sie Maiandachten oder Kreuzwegandachten vorbereiten, als Lektorinnen oder Kommunionhelferinnen mitarbeiten. Aber sie bringen auch die Krankenkommunion oder erteilen den Sterbesegen, helfen als Grüne Damen im Krankenhaus oder unterstützen bei Projekten für die Weltkirche.

Die Veranstaltung war wichtig für sie. Denn es wurde ihnen bewusst, dass es im Caritas-Zentrum zwei Ansprechpartner gibt für konkrete Fragen. Und davon gibt es viele, auch rechtlicher, organisatorischer oder finanzieller Art.

Eine Veranstaltung, die einmal jährlich zu wechselnden Themen angeboten wird, stieß auf großes Interesse. So fand ja bereits einmal in Kooperation mit der Pfarrei eine „Wegweiserschulung“ für Ehrenamtliche statt, in der wichtige Anlaufstellen und Regelungen benannt wurden. Weitere Themen, die für Ehrenamtliche interessant sind, sind etwa: Wohnungslosigkeit, Flüchtlingshilfe, ALG 2- Bezug, Mittel für das Ehrenamt oder auch Anregungen und Hilfeleistung für die Organisation einer Kollekte. „Es ist schön, dass ihr da seid und wir fragen können, wenn wir ein Anliegen haben“, so am Ende der Tenor der Veranstaltung.

Auch Claudia Möller-Mahnke und Johannes Münd waren mit der Veranstaltung zufrieden: „Das starke Engagement der Ehrenamtlichen in ihren Pfarreien ist deutlich spürbar“, sagen sie. Sie hoffen, dass die Veranstaltung der Beginn der Vernetzung der Ehrenamtlichen auf Stadtebene sein kann. „Vielleicht gibt es künftig noch mehr Impulse für die Caritasarbeit in den Pfarreien“, hofft Möller-Mahnke.

Zwar bedauert sie, dass noch nicht zu allen Pfarreien Kontakt zu Caritas-Engagierten besteht, und will hier auf jeden Fall noch mehr aktiv werden. Einen möglichen Anfang dafür sieht sie in der kommenden Zusammenarbeit mit der Pfarrei Hl. Franz von Assisi: „Hier werden wir das Analyseteam bei der Sozialraumanalyse für die Erstellung des pastoralen Konzepts unterstützen“, kündigt sie an.

Zwei Termine sollten sich ehrenamtlich Engagierte vormerken: den Ehrenamtstag des Caritasverbands für die Diözese Speyer am Samstag, 24.11.2018 in Neustadt sowie die Mitgliederversammlung des Caritas Forums Ehrenamt am Samstag, 20.10.2018 in Primasens.