Mittwoch, 04. November 2026

Wenn Eltern einander verletzen, leiden die Kinder mit

Am 23. November geht es im Heinrich Pesch Haus um toxische Beziehungen und ihre Folgen für Kinder.

Kinder bekommen mehr mit, als Erwachsene oft glauben. Sie spüren die frostige Stimmung am Abendbrottisch, sie merken, wenn ein Elternteil den anderen herabsetzt, und sie tragen die Last solcher Konflikte häufig über Jahre mit sich. Um diese Kinder geht es am Montag, 23. November 2026, von 18 bis 20 Uhr im Heinrich Pesch Haus (HPH) in Ludwigshafen. Unter dem Titel „Toxische Beziehungen: Auswirkungen auf Kinder“ lädt die Akademie für Frauen im HPH gemeinsam mit dem Soroptimist International Club Ludwigshafen, dem ZONTA Club Ludwigshafen sowie den Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Ludwigshafen und des Rhein-Pfalz-Kreises zu Vortrag und Diskussion ein. Der Eintritt ist frei.

Wie Kinder belastende Beziehungen erleben

Ständiger Streit, emotionale Kälte, Manipulation oder sogar Gewalt: Wo eine Partnerschaft krank macht, wächst ein Kind in einem Klima auf, das seine Entwicklung nachhaltig prägt. Den fachlichen Auftakt übernimmt Dr. med. Rebekka Schwarz, Chefärztin der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik im St. Marien- und Annastiftkrankenhaus Ludwigshafen. In ihrer Keynote erläutert sie, was eine toxische Beziehung ausmacht und wie Kinder solche Dynamiken wahrnehmen und verarbeiten. Sie beschreibt, welche Folgen für die seelische Gesundheit sich rasch zeigen und welche erst viel später zutage treten. Vor allem aber geht es ihr um die Frage, wie Eltern, Angehörige und Fachkräfte Kinder stärken und schützen können.

Polizei, Jugendamt und eine Betroffene auf dem Podium

Anschließend erweitert ein Podium den Blick um Erfahrungen aus der Praxis. Jana Mohr bringt als Opferschutzbeauftragte der Zentralen Prävention im Polizeipräsidium Rheinpfalz die Sicht der Polizei ein. Martha Gutting vom Stadtjugendamt Ludwigshafen am Rhein schildert die Perspektive aus der Arbeit der Jugendhilfe. Svenja Beck spricht als Betroffene über ihre eigenen Erlebnisse. Durch das Gespräch führt Ulrike Gentner, Direktorin Bildung im HPH.

Hinschauen als erster Schritt

Der Termin liegt zwei Tage vor dem Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen am 25. November. Für die Kooperationspartnerinnen gehört das Thema zum Kern ihres Engagements. „Starke Frauen, geschützte Kinder und ein Leben ohne Gewalt – dafür setzen wir uns ein. Hinschauen ist der erste Schritt“, so Christina Wittern, Präsidentin Soroptimist International Club Ludwigshafen. Dr.med. Sabine v. Falkenhausen-Leube, derzeitige Präsidentin des ZONTA Club Ludwigshafen, ergänzt: „Kinder brauchen zum gesunden Aufwachsen haltgebende, sichere Bezugspersonen. Wir wissen, wie unbearbeitete Gewalterfahrungen in den Müttern unbewusste Ängste leider auch vor den eigenen Kindern wecken, so dass sie in entscheidenden Momenten keine Einfühlung spüren, keinen Halt geben, keine sicheren Grenzen setzen können.“

Auch die kommunalen Gleichstellungsbeauftragten wollen mit dem Abend Menschen erreichen, die im Alltag mit belasteten Familien zu tun haben. „Gewalt in Partnerschaften ist keine Privatangelegenheit und erst recht nicht, wenn Kinder darunter leiden. Wir müssen Warnsignale ernst nehmen, Betroffene darin bestärken, sich Hilfe zu holen, und gleichzeitig die Kinder im Blick behalten, die in diesen Beziehungen aufwachsen“, betont Annette Faber, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Ludwigshafen. Die Gleichstellungsbeauftragte des Rhein-Pfalz-Kreises,Kornelia Tildmann, sagt: „Kinder brauchen Sicherheit und ein gewaltfreies Zuhause. Eltern, besonders die meistbetroffenen Frauen in gewaltvollen Beziehungen, sollten frühzeitig Hilfe suchen – zum Schutz ihrer Kinder und für eine Zukunft ohne Gewalt.“

Umtrunk und Anmeldung

Nach der Diskussion klingt der Abend bei einem Umtrunk aus, der Raum für Gespräche mit den Referentinnen lässt. Aus organisatorischen Gründen bittet das HPH um Anmeldung per E-Mail an anmeldung@hph.kirche.org oder über www.heinrich-pesch-haus.de/veranstaltungen.

 

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