Dienstag, 21. März 2017
Zwei Ludwigshafener als Kundschafter in England
Die vierte und letzte Kundschafterreise des Bistums ist beendet. Joachim Lauer, Leiter der Passantenseelsorge Licht.punkt und der Jugendkirche LUMEN, und Brigitte Deiters, Öffentlichkeitsarbeiterin im Dekanat und Ehrenamtliche im Licht.punkt, waren dabei.
Ziel der Englande-Reise war es, frische Ideen zu sammeln, um Kirche für viele Menschen attraktiv und einladend zu gestalten. In England heißt diese Bewegung „Fresh Expressions of Church“. Wichtig ist dabei, dass „FreshX“ die Aufmerksamkeit auf Menschen richtet, die der Kirche fern stehen – die entweder nie Kontakt dazu hatten oder sich davon getrennt haben. Vorrangiges Ziel ist auch nicht, die Kirche zahlenmäßig wachsen zu lassen, sondern mehr Menschen in eine nähere Beziehung zu Gott zu bringen.
Das passt gut in eine Stadt wie Ludwigshafen und auch für den Licht.punkt“, sagt Joachim Lauer. Denn vor allem der Licht.punkt ist ja als Anlaufstelle für Menschen gedacht, die davor zurückschrecken, kirchliche Einrichtungen zu besuchen oder dort Hilfe zu holen.
Zahlreiche Schlüsselbegriffe sind gefallen, die die beiden auch für das Stadtdekanat als wichtig erachten. Manches davon klingt zunächst fremd, fast witzig. Etwa der Ausspruch, dass immer auch an gemeinsames Essen gedacht werden soll. Die beiden Ludwigshafener „Delegierten“ besuchten ausgefallene Orte wie einen Pub, in dem Gottesdienst gehalten wird, und hörten von einer Kaffeekette, in der Treffpunkte neu angeboten werden. Auf die Frage, wie Menschen animiert werden, genau dort Kirche zu suchen, erhielten sie immer wieder die Antwort: „Die Menschen lieben es, zusammen zu essen und zu trinken.“
Ein weiterer wichtiger Punkt, der ihnen mitgegeben wurde, war: Nicht an Altem festhalten und Neues dazu erfinden, sondern: „Sterben, um zu leben“. So erfuhren sie von einer Pfarrerin, dass in ihrer Pfarrei eine neue Jugendgruppe ins Leben gerufen wurde – und alle Verantwortlichen nahmen in Kauf, dass die wenigen letzten Jugendlichen, die bis zu diesem Zeitpunkt noch in Gottesdiensten zu sehen waren, diese nicht mehr besuchen würden. Aus ehemals drei Jugendlichen sind inzwischen fast 20 geworden, die sich regelmäßig treffen und sich als kirchliche Gemeinschaft verstehen.
Manchmal bedeutet das „Sterben“ auch Aufgeben von Gottesdiensten und Gottesdienstordnungen und stattdessen das Entwickeln von vielen unterschiedlichen Formen, die für alle passen. Dieser Prozess kann lange dauern und schmerzhaft sein und vielleicht die Pfarreimitglieder überfordern. Das sind Bedenken, die auch die Speyerer umtreiben. Sie haben in England erfahren, dass solche Prozesse scheitern können und lange dauern – aber sie haben auch viele ermutigende Beispiele erlebt, die sie begeistern.
Als grundlegendes Element, um Menschen zu erreichen, gilt: Nicht Gottesdienste und „Kirche“ attraktiv machen zu wollen und zu hoffen, dass die Menschen ihren Weg dorthin finden. Sondern in den Sozialraum gehen, fragen, was die Menschen brauchen, und dieses Angebot genau dort entwickeln und an diesem Ort zu bleiben. „Was wir – auch in Ludwigshafen – brauchen, sind nicht neue zusätzliche Projekte, sondern ein Umdenken aus der Perspektive der Menschen, die in dieser Stadt leben“, sagen Lauer und Deiters.
Gerne kommen sie darüber mit den Ludwigshafenern ins Gespräch und berichten von ihren Erlebnissen, Eindrücken und Diskussionen. Jeden Abend hat die Gruppe über ihren Tag auf der Homepage des Bistums berichtet, was als Einstieg in die Diskussion dienen kann.
Foto ©: Joachim Lauer
