Montag, 08. Januar 2018
Krippenweg 2017: Impulse zu dem Geschehen im Stall
Der Ludwigshafener Krippenweg führte am 30.12.2017 durch die Pfarrei Hll. Petrus und Paulus. Beginn war in der Kirche St. Sebastian in Mundenheim. Über die Krippen und die besinnlichen Texte in den Kirchen berichtet Patrizia Magin.
Zum ersten Mal wurde hier anhand ausgewählter Abschnitte aus den Evangelien mit Hilfe von biblischen Erzählfiguren der Weg von der Verheißung der Geburt Jesu durch den Engel Gabriel bei Maria bis hin zur Geburt in der Krippe im Stall von Bethlehem anschaulich dargestellt. Weitere Szenen durch diese Zeit waren der Traum des Josef, in dem ihm das baldige Geschehen durch den Engel erklärt wird, der Besuch von Maria bei Elisabet, der beschwerliche Weg nach Bethlehem sowie das Lagern der Hirten auf dem Feld und die Verkündigung der Geburt Jesu. Im Laufe der weihnachtlichen Festzeit werden noch die Szenarien mit den Heiligen Drei Königen sowie Simeon und Hannah dargestellt. Alle Figuren sind von Hand gefertigt und haben kein Gesicht. Ihre jeweiligen Geschichten erzählen sie durch ihre Gestik. So ist der Betrachter eingeladen, sich selbst in der jeweiligen Szene wiederzufinden.
Anschließend ging es in die Kirche Hl. Geist in der Georg-Herwegh-Straße: Hier stammt die Krippe aus einer Kevelaer Werkstatt und wurde im Zeitraum von 1964 bis 1985 angeschafft. Die 60 cm hohen und bekleideten Figuren sind aus Holz. Versuchen wir doch einmal, uns in die Figuren der Weihnachtserzählung hineinzudenken:
Manchmal sind wir wie Hirten, die in die Dunkelheit hineinhorchen, um eine Stimme von oben zu vernehmen und ihr zu folgen.
Manchmal sind wir die die Weisen, denen ein Licht aufgeht und die bereit sind, sich auf den langen Weg zu Gott zu machen und die ihre Suche schließlich erfolgreich und überglücklich beenden.
Manchmal sind wir aber auch wie die Wirte in Bethlehem, die für Gott keinen Platz mehr haben und vor ihm die Türen verschließen.
Manchmal sind wir vielleicht sogar wie Herodes, der um seine Macht und seinen Einfluss fürchtet und über Leichen geht, um sein Ansehen und seine Position zu sichern.
Manchmal sind wir wie die Schriftgelehrten, die von Gottes Existenz zwar überzeugt sind, aber nicht bereit sind, die notwendigen Konsequenzen zu ziehen und ihren Worten auch Taten folgen zu lassen.
Manchmal sind wir jedoch auch wie die Engel, die andern die Frohe Botschaft verkünden, wo Christus, unser Retter, heute zu finden ist.
Manchmal sind wir wie Josef, der Maria nicht verlässt, auch wenn er vieles nicht versteht.
Manchmal sind wir wie Maria, die den Menschen den Erlöser bringt, der uns den Weg zeigt aus Leid, Schuld und Tod.
Manchmal sind wir sogar wie Jesus, der gekommen ist, weil ihm das Glück der Menschen am Herzen liegt und weil er möchte, dass die Menschen einmal für immer beim Vater im Himmel zu Hause sind.
© Bardeler Adventsmeditationen 2015, S. 52 f.
Danach ging es weiter zur Kirche Herz Jesu in der Mundenheimer Straße. Diese Krippe stammt aus der Rhön und wurde in den 80er Jahren gekauft. Jesus und Maria sind aus einem Teil geschnitzt. Josef, zwei Hirten, fünf Schafe, ein Esel und die drei Könige sind große, sehr plastische Figuren (die Größe der Hirten und Könige liegt bei ca. 90 cm). Im Jahr 2008 ist ein liegender Ochse dazu gekommen und im vergangenen Jahr der Verkündigungsengel. Die Besonderheit dieser Krippe ist, dass sie – anders als in vielen anderen Kirchen – im Chorraum steht und so einlädt, unseren eigenen Platz zu finden, wo wir gerade im Leben stehen. Dieser Platz kann durchaus – je nach Lebenssituation – wechselnd sein.
Der Abschluss des Krippenweges war dann in St. Ludwig in der Stadtmitte. Diese Krippe ist 1946 – direkt nach dem Krieg – entstanden. Nach dem Krieg waren von St. Ludwig nur Chor und die beiden Türme übrig. Somit ist diese Krippe im Nichts und aus dem Nichts entstanden. Jugendliche der Pfarrei fertigten die Figuren aus Stoff und Draht; die Gesichter sind aus Pappmaché. In diesen Notzeiten machten die Figuren aus ärmlichsten Mitteln, aber mit viel Kreativität den Glauben anschaulich. Die Krippe zeigt nicht nur die Geburt Christi, sondern auch den Weg durch die Adventszeit mit fünf Bildern. Im ersten Bild wird die Menschwerdung angekündigt. Am 8. Dezember wird Maria in die Szene eingestellt. Ab dem 4. Advent kommen die Hirten auf dem Feld hinzu. Das vierte Bild zeigt die Geburt Jesu im Stall von Bethlehem. Letztendlich vervollständigen die Weisen aus dem Morgenland, die sich auf der Suche nach dem Kind von Bethlehem, dem neugeborenen Messias und Herrn, machen, das Bild.
In allen Kirchen wurden Impulse zu dem Geschehen im Stall von Bethlehem gegeben; es wurde gemeinsam gebetet und gesungen. Alle Impulse lassen sich zusammenfassen im Gebet an der Krippe:
Ich steh an deiner Krippe hier, o Jesu, du mein Leben. Ich komme, bring und schenke dir, was du mir hast gegeben. Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn – Herz, Seel und Mut, nimm alles hin und lass dir’s wohl gefallen. Da ich noch nicht geboren war, das bist du mir geboren und hast mich dir zu eigen gar, eh ich dich kannt, erkoren. Eh ich durch deine Hand gemacht, da hast du schon bei dir bedacht, wie du mein wolltest werden.
Paul Gerhardt, 1653
Lassen wir uns ein auf die Menschwerdung Jesu, der in all unseren Lebenslagen für uns da ist und zu dem wir mit all unserem Kummer und unseren Sorgen, aber auch mit all unserer Freude und Dankbarkeit kommen dürfen.
