Freitag, 13. Oktober 2017
Oggersheimer Arbeitskreis Flüchtlinge sucht Ehrenamtliche
Mittwochnachmittags ist Kaffeezeit: Beim Café Welcome sind alle willkommen, wie der Name sagt. Die Gäste, die bei Kaffee und Kuchen zusammen sitzen, kommen aus Afghanistan, Syrien, aus Eritrea, Somalia und Oggersheim. Die Atmosphäre ist entspannt, es wird viel erzählt, aber auch viel gefragt und Informationen ausgetauscht. Für die Flüchtlinge ist das Café Welcome im Pfarrheim Adolph-Kolping der katholischen Pfarrei Hl. Franz von Assisi ein wichtiger Treffpunkt.
Es ist ein Angebot von vielen, das die ehrenamtlich Helfenden des Arbeitskreises Flüchtlinge in Oggersheim auf die Beine stellen. Sie würden sich freuen, wenn weitere Interessierte mitmachen und die Flüchtlingsarbeit unterstützen würden – jeder und jede auf seine und ihre Weise, wieviel und was jemand kann.
Auch das Café Welcome wird von Ehrenamtlichen organisiert: Fünf bis sechs Leute kümmern sich um die Versorgung bei den wöchentlichen Veranstaltungen im Kolpinghaus in der Mannheimer Straße. Darüber hinaus ist die Bandbreite der ehrenamtlichen Tätigkeiten in Oggersheim groß: Von Tipps für Bewerbungen über Unterstützung beim Deutschlernen, Begleitung zu Ämtern oder Ärzten bis hin zum Reparieren von Fahrrädern reichen die Hilfen, die die Mitglieder des Arbeitskreises für die Flüchtlinge leisten. Einer von ihnen ist Andreas Augustin. Der 53-Jährige engagiert sich seit rund zwei Jahren. „Ich habe einen Alphabetisierungskurs gegeben und dabei sind mir die Menschen ans Herz gewachsen“, berichtet der Oggersheimer. Die Motivation, sich zu engagieren, kam für ihn aus seiner eigenen Geschichte: „Ich stamme selbst aus einer Flüchtlingsfamilie – für meine Eltern war es eine schlimme Zeit, sie haben keine Hilfe bekommen. Ich möchte das für die Flüchtlinge heute anders machen.“
Da ein Kurs meist nicht ausreicht, um die deutsche Sprache auch sprechen zu lernen, bieten Ehrenamtliche des Arbeitskreises auch Konversationskurse an, berichtet Reinhild Burgdörfer, Pfarrerin der protestantischen Kirchengemeinde Lu-Oggersheim 2, die Ansprechpartnerin für den Arbeitskreis ist.
Der Arbeitskreis in Oggersheim hatte sich bereits gebildet, bevor die große Flüchtlingswelle kam, berichtet Reinhild Burgdörfer. Seinerzeit hatten sich Mitglieder aus den Kirchengemeinden und Vereinen zusammengesetzt und überlegt: „Was machen wir, wenn die Flüchtlinge kommen?“ Seitdem sind rund zwei Jahre vergangen und „die Arbeit wird nicht weniger“, weiß die Pfarrerin.
„Einige der Ehrenamtlichen haben in den vergangenen zwei Jahren hunderte Stunden eingebracht – manche würden gerne etwas kürzer treten, wenn sie Verstärkung bekämen“, berichtet Reinhild Burgdörfer. Helfende zu bekommen, sei 2015 beinahe problemlos möglich gewesen. Die Bereitschaft war groß, „Anfragen von Freiwilligen gab es nahezu täglich“, erzählt die Pfarrerin. Der Stimmungsumschwung sei mit den Vorkommnissen in der Silvesternacht in Köln gekommen: „Seitdem hat der Wunsch zu helfen, deutlich abgenommen.“ So hätten manche Helfende erlebt, dass auch der Respekt und die Anerkennung für ein Engagement für Flüchtlinge in der Gesellschaft abgenommen haben.
Die Ehrenamtlichen, die sich nach wie vor im Arbeitskreis einsetzen, sehen, dass ihre Unterstützung gebracht wird und ankommt. So setzt Melanie Fliedner ihre beruflichen Kenntnisse ein, um Flüchtlinge in Ausbildung und Beruf zu begleiten. „Ich schaue Bewerbungsunterlagen durch und habe auch schon mal ein Bewerbertraining angeboten“, berichtet die 37-Jährige. Als ehemalige Lehrerin ist Regine Hoffmann im Arbeitskreis zuständig für Sprachen. Wichtig sei auch die Alphabetisierung, das heißt, dass manche Flüchtlinge erst einmal lesen und schreiben lernen müssen. Sie habe bei ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit „viele Erfolgsgeschichten, aber auch Enttäuschungen“ erlebt, berichtet die 65-Jährige.
Die Arbeitskreis-Mitglieder sehen für sich selbst einen persönlichen Gewinn in ihrem Engagement, auch wenn es nicht immer leicht ist: „Man lernt viel über andere Kulturen und über sich selbst – man kann nicht alles verstehen und muss nicht alles akzeptieren“, beschreibt Reinhild Burgdörfer die Komplexität der Aufgabe. Sie will dennoch Interessierten Mut machen, sich einzubringen: „Denn jeder und jede macht das, was er und sie möchte.“ Wer neu zum Arbeitskreis dazu stoßen möchte, kann sich an die übrigen Unterstützenden wenden und bei den Tätigkeiten mitgenommen werden. Es gebe auch immer wieder Fortbildungen und Supervision, ergänzt Reinhild Burgdörfer.
Info:
Wer Interesse an einer ehrenamtlichen Aufgabe in der Flüchtlingsarbeit des Oggersheimer Arbeitskreises hat, kann sich im Pfarrbüro der protestantischen Kirchengemeinde 2, Comeniussstraße 16, Ludwigshafen, Telefon 0621 678999 bei Pfarrerin Reinhild Burgdörfer melden.
Interessenten können auch im Café Welcome, mittwochs 16.00 bis 18.30 Uhr, im Adolph-Kolping-Haus, Mannheimer Straße 19, vorbeischauen.
Text und Bild ©: Mechthild Möbus
