Mittwoch, 10. August 2022

Mit Tante-Emma-Laden und Poststelle demente Senioren erreichen

Das Caritas-Altenzentrum St. Josefspflege richtet die psychosoziale Arbeit zur Unterstützung der Bewohner neu aus.

Auf die Bewohnerinnen und Bewohner eingehen und ihren Bedürfnissen gerecht werden, das ist Teil der Arbeit der Mitarbeitenden im Caritas-Altenzentrum St. Josefspflege in Ludwigshafen. Ob Rollatortanz, Gedächtnistraining oder Singen im Chor: Ein vielfältiges Programm aus verschiedenen Aktivitäten soll den BewohnerInnen Abwechslung, aber auch Förderung ihrer geistigen und körperlichen Fähigkeiten bieten.

Die täglichen Angebote waren bisher immer beliebt und wurden gerne genutzt. Doch hier zeichnete sich eine Entwicklung ab, die seit einigen Jahren immer deutlicher wurde: Dank der verbesserten ambulanten Versorgung können die Senioren heute länger zu Hause selbstständig leben und kommen erst in ein Pflegeheim, wenn sie einen höheren Pflege- und Unterstützungsbedarf haben. „In den vergangenen beiden Jahren hat sich diese Entwicklung noch verstärkt“, berichtet Katrin Klehr, Leiterin des Sozialdienstes und der sozialen Betreuung im Caritas-Altenzentrum St. Josefspflege. „Insbesondere der Anteil der Menschen mit dementieller Erkrankung hat zugenommen“, weiß die Mitarbeiterin.

Für sie und ihr Team wurde deutlich, dass im Sinne einer bewohnerorientierten sozialen Arbeit eine Überarbeitung des bisherigen Konzeptes notwendig wurde. So startete Leiterin Katrin Klehr mit ihrem Team im vergangenen Jahr den Prozess der Neuausrichtung der psychosozialen Arbeit. Begleitet wurden sie von Diplom-Sozialpädagogin (FH) Jana Glück, die sich unter anderem auf Gesundheit und Lebensqualität von Senioren und Menschen mit Demenz in Altenheimen spezialisiert hat. Ob es um Qualitätskriterien, Expertenstandards oder die Anforderungen des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen geht - die Münchner Fachfrau konnte als Coach der Ludwigshafener Einrichtung wertvolle Aspekte vermitteln. In mehreren Terminen, persönlich und online, schulte die Referentin das Team und gab Anregungen für die Neuorientierung der sozialen Arbeit. „Wir erstellten Pläne und prüften, wie weit sich die Angebote auch umsetzen lassen, evaluierten und planten neu“, berichtet Katrin Klehr von weiteren Schritten des Prozesses.

Ab Januar 2022 startete das neue Konzept mit persönlichen Einsatzplänen für die Mitarbeitenden, das insbesondere die Bewohnerinnen und Bewohner mit Demenz in den Blick nimmt. „Für sie gibt es in kleinen Gruppen bis zu drei Personen kurze Aktivierungseinheiten von 15 Minuten, teilweise je nach Bedarf auch kürzer“, erklärt Katrin Klehr. Wichtig ist es, immer sicherzustellen, dass die Bewohner auch wirklich erreicht werden können. „Musik hat einen großen und positiven Einfluss auf die Psyche. Klänge wecken Erinnerungen und Emotionen“, betont die Leiterin und ergänzt: „Es gibt Bewohner, die sich verbal nicht äußern, aber angeregt durch die Musik bei Liedern mitsingen.“

Erinnerungen werden auch wach beim „Tante-Emma-Laden“ im Miniaturformat: „Hier bringen die Mitarbeiter ein Körbchen mit Sachen von früher zu Bewohnerin oder Bewohner.“ Um Erinnerungsarbeit geht es auch beim neuen Angebot der „Poststelle“, bei der Bewohner, die früher in der Verwaltung gearbeitet haben, Tätigkeiten von damals, wie das Frankieren von Briefumschlägen, praktizieren können.

Für die Bewohner, die noch geistig und körperlich fit sind, gibt es wie gewohnt ein Tagesprogramm mit Sturzprophylaxe, Nähen, Kaffeeklatsch, Gedächtnistraining, Bingo, Kochen, Backen, Handarbeiten und einiges mehr. Aber auch Bewohner mit Demenz können bei diesen Angeboten einfach dabei sein: „Das ist ganz wichtig, denn der Auftrag der psychosozialen Betreuung ist die Teilhabe, was bedeutet, die Bewohner sind Teil der Gemeinschaft“, hebt Katrin Klehr hervor.

Vor allem aber zeigt eine erste Bilanz des neuen Konzepts etwas ganz Wichtiges: „Wir nehmen bei den Menschen mit Demenz wahr, dass die Impulse positiv wirken, ja sogar Glücksmomente auslösen“, freuen sich Katrin Klehr und die Mitarbeitenden, die auch als Team durch den Prozess in ihrem Zusammenhalt gestärkt wurden.

Text und Fotos: Mechthild Möbus für den Caritasverband für die Diözese Speyer