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Freitag, 08. April 2022

Maudacher Passionsspiele

Seit 1634 finden in Oberammergau alle zehn Jahre die Passionspiele statt. Doch nicht nur dort – vor 75 Jahren führten engagierte Maucherinnen und Maudacher „Das Versöhnungsopfer auf Golgatha“ auf. Alfons Bohlender war damals 13 Jahre alt und erinnert sich noch gut an die bewegende Aufführung in einer zerstörten Kirche.

Der katholische Kirchenchor Ludwigshafen-Maudach unter der Leitung von Schwester Robertine und eine Jugendgruppe der Pfarrgemeinde hatten die Aufführung zu Ostern 1947 geplant. Die Passionsspiele fanden in der Maudacher Kirche St. Michael statt, die damals noch von den Bombenangriffen auf Ludwigshafen gezeichnet war. „Der Chor hatte kein Dach“, erinnert sich Alfons Bohlender. Doch das tat der Spielfreude keinen Abbruch, im Gegenteil.

Im Pfarrgedenkbuch, das im Bistumsarchiv in Speyer aufbewahrt wird, ist zu lesen, wie die Kirche für die Aufführungen vorbereitet wurde: „Der Raum war günstig: Die Kirche. Der Chor war noch nicht hergerichtet. Der Hochaltar bis auf die Untermauerung demoliert. Nun hat die Jugend über den Altar eine Bühne gebaut, sodaß im Vorraum und über dem Altar gleichzeitig zwei Bühnen entstanden waren. Für Ölberg und Kalvarienberg war das günstig. Eine Meisterleistung war ohne Zweifel die Beleuchtung. Über 500 Meter Kabel waren verlegt. Farbiges Licht. Beleuchtungswiderstände und Anlage zum 'Blitzen'. Der Vorhang war sehr primitiv. Wohl ein Dutzend Kirchenfahnen - gelb-weiß - zusammengenäht.“ Weiter hielt der Chronist, der damalige Pfarrer Ludwig Flörchinger (25.8.1901 - . 4.10.1989) fest, dass kein Eintritt erhoben wurde.

Alfons Bohlender verfolgte das religiöse Trauerspiel in fünf Akten von der Empore der Maudacher Kirche. Noch heute, 75 Jahre später, zeigt er sich sehr beeindruckt von der Maudacher Passion. „Die Schauspieler waren alle so stilvoll kostümiert“, erinnert er sich noch. Wie genau er damals von der Aufführung erfahren hat, weiß er nicht mehr. „Ich habe damals in Friesenheim gelebt und mich auf den Weg gemacht“, erzählt er. Das sei schon eine Weltreise gewesen.

Viele Schauspielerinnen und Schauspieler bevölkerten den Chorraum der Kirche, das zeigen die eindrucksvollen schwarz-weiß-Aufnahmen. Allein 33 Darsteller – angefangen von Jesus Christus und Maria über die zwölf  Apostel bis zu einem Engel und Satan listet das kleine Programmheft namentlich auf. Dazu kamen noch zahlreiche Komparsen, die als „Volk“ fungierten.

„Der letzte der Hauptdarsteller ist Ende 2021 gestorben“, sagt Alfons Bohlender. Doch noch gebe es in Maudach Menschen, die damals dabei gewesen sind, sei es als Zuschauer, im Chor, im Volk oder als Helfer. Einer davon ist Otto Hammer. „Ich war damals 15 Jahre alt habe beim Bühnenumbau geholfen, habe das Licht bedient und war die ganze Zeit in der Sakristei. Daher habe ich das Stück nur von der Seite gesehen“, erzählt er. Es sei eine große Angelegenheit gewesen.

„Das Versöhnungsopfer auf Golgatha“ am Palmsonntag, am Gründonnerstag, am Karfreitag gleich zwei Mal und am Ostersonntag aufgeführt. „Der Besuch war jeweils überzahlreich“, und „noch etliche Male hätten wir spielen können“, ist in der Chronik zu lesen. Auch der Theaterkritiker der Stadt, Dr. Staudinger, zeigte sich beeindruckt und lud die Bevölkerung ein, die Vorführung zu besuchen. Schon 1910 hatte der Jünglings- und Jungmänner-Verein das Spiel aufgeführt. Der Text hätte, so der Kritiker, „eine kleine "Modernisierung" vertragen können.

Ganz harmonisch verliefen die Vorstellungen dann doch nicht, wie Pfarrer Flörchinger notierte: „Ausgerechnet am Hl. Karfreitag mußten die Spieler warten samt Publikum, weil einzelne in Neustadt zum Fußballspiel waren“. Am Ostermontag sei das Spiel nur noch ein Protest gewesen, „weil ein großer Teil Spieler sich sehr sträubte zu spielen, weil sie zuvor zum Mutterstadter Ostermarkt tanzen wollten und nach Spielschluß wirklich fluchtartig fortliefen und auf der Bühne alles in Unordnung liegen und stehen ließen.“

 

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